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Trotzphase mit zweieinhalb Jahren

Unsere Tochter ist nun zweieinhalb Jahre alt und die Trotzphase hat von heute auf morgen begonnen. Ich staune immer wieder, wie schnell unsere Tochter plötzlich auf stur schaltet.

Ein Beispiel ist das Spielen mit einer Blumenvase – egal wie wir das finden. Wenn wir Eltern ihr das dann verbieten, findet sie das überhaupt nicht lustig. Nicht selten fängt sie dann an, absichtlich Sachen herum zu schmeissen, den kleinen Bruder zu sticheln oder nur noch heulend am Boden zu liegen. In solchen Situationen fühlt man sich als Eltern richtig hilflos.

An einem Sonntagmorgen, als wir gemeinsam im Wohnzimmern ein Farbenspiel spielten, war es wieder einmal so weit. Am Anfang ging alles noch sehr gut. Ich hatte grosse Freude am Spielen mit meiner Tochter und an meinem Sohn, der auf dem Boden zufrieden auf einem Beissring herumbiss. Als der Kleinen nach kurzer Zeit in den Sinn kam, dass ein «Täfi» (Bonbon) jetzt genau das war, was sie haben wollte, erklärte ich ihr, dass es morgens kein «Täfi» gibt.

Nachdem meine Tochter fünf, sechs Mal nach der Süssigkeit verlangt hatte, wurde ich etwas forscher und sagte klar: «Nein, es gibt kein Täfi.» Nach gefühlten 100 Mal hin und her fing sie an zu schreien und zu heulen.

Auch die Farbknöpfe des Farbenspiels schmiss sie herum. Ich musste ihren kleinen Bruder in Sicherheit bringen, da er nun zur Zielscheibe geworden war. Danach ging ich auf sie zu und sagte ihr, dass ich das nicht akzeptiere und dass wir keine Sachen herumschmeissen. Das machte alles noch schlimmer.

Später nahm ich sie auf den Arm und ging mit ihr ins Zimmer. Dort versuchte ich, ihr ins Gewissen zu reden. Das Geschrei war richtig nervenaufreibend und ich merkte, wie hilflos ich als Vater in dieser Situation war. Was sollte ich tun? Ich konnte die Kleine ja sogar verstehen, weil es nun mal schwer zu akzeptieren ist, wenn man etwas unbedingt haben möchte und es nicht bekommt. Meine Frau und ich hatten uns aber vorgenommen, manchmal hartzubleiben. An diesem Sonntagmorgen zogen wir es durch.

Irgendwann beruhigte sich unsere Tochter wieder. Mithilfe von ihrem Nuggi und dem Stofftier konnten wir nach etwa zwanzig Minuten wieder zur Tagesordnung übergehen. Der Vorfall hatte mich jedoch beschäftigt. Auch abends, als die Kleine friedlich eingeschlafen war, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Hatten wir richtig reagiert? Waren wir richtig mit der Situation umgegangen? Wir schlugen im Buch von Remo Largo nach. Uns wurde bestätigt, dass der Ansatz, bei ihr im Zimmer zu bleiben und sie zu trösten, gleichzeitig aber bei unserem Standpunkt zu bleiben, nicht schlecht war.

Einige Tage später erzählte ich diese Geschichte einer mit uns befreundeten ehemaligen Kindererzieherin und diese gab uns einen wertvollen Tipp. Ein Kind möchte mitentscheiden können. Wenn es zum Beispiel ein Bonbon haben will, kann man ihm antworten, dass es zwar kein Bonbon gibt, aber dass es dafür zwischen einem Apfel oder einem Päckchen «Darvida» auswählen kann. So kann das Kind selbst zwischen zwei von den Eltern definierten Sachen entscheiden. Bei uns hat das super funktioniert. Die ehemalige Kindererzieherin bekräftigte uns auch dazu, manchmal ein «Nein» durchzuziehen.

 

David Staudenmann ist ehemaliger Handballer der Nationalliga A und war Mitglied der CH-Nationalmannschaft. Heute ist er CEO wie auch Mitinhaber der Firma santémedia AG und Moderator der TV-Sendung praxis gsundheit auf TeleBärn, Tele M1 und TeleZüri.
Zusätzlich engagiert er sich im Trainerstaff beim BSV Bern Muri.
Er ist verheiratet, Vater einer Tochter (Jahrgang 2015) und einem Sohn (Jahrgang 2017) und lebt in der Region Bern.
In seinen Beiträgen schreibt er über das Vatersein, Situationen aus dem Familienalltag sowie Erlebnissen als Unternehmer und Trainer.

Januar 2018

1 Kommentar

  1. Jürg

    Die Tipps der Kindererzieherin finde ich super. Diese Methode mit der „Wahl“ lenkt die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung und die Situation eskaliert nicht. Gleichzeitig lernt das Kind, Alternativen abzuwägen und Entscheidungen zu treffen. Auch die Aussage, manchmal ein „Nein“ durchzuziehen finde ich gut, obwohl mich das Wort „manchmal“ etwas stört. Ein Nein sollte immer ein Nein bleiben. Das genannte Beispiel mit den Alternativen „Apfel“ und „Darvida“ widerspricht dem nicht. Es bleibt so beim Nein zur verlangten Süssigkeit.

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