Die AL-Obergrenze sorgt für Unmut in der Ärzteschaft. Doch die Diskussion geht tiefer: Wer bestimmt künftig, was Ärztinnen und Ärzte leisten sollen, dürfen und können? Regulierungen, Bürokratie und neue Vorgaben führen zunehmend zu Verunsicherung. Im Ring diskutierten Dr. med. Michael Andor, Mitglied des FMH-Zentralvorstands, und Kristian Schneider, Vizedirektor des BAG. Der neue Tarif ist ein Gemeinschaftswerk der Tarifpartner und wird laufend weiterentwickelt. Gleichzeitig will das BAG mitarbeiten, die Regulierung soweit möglich und sinnvoll, einzudämmen.
Eine gut gelaunte, exklusiv geladene Gästeschar verfolgte den verbalen Schlagabtausch im Boxkeller von BOXENBERN.
Im Video Statements von Kristian Schneider, Dr. med. Michael Andor, Felix Schneuwly und Dr. med. Rainer Felber.
Neu bei der 41. Ausgabe ist der Ringrichter, David Staudenmann, CEO & Inhaber von santemedia. Neu ist auch «The Buzzer». Eine Persönlichkeit aus dem Schweizer Gesundheitswesen darf sich ohne Vorwarnung mit einem Buzzer in die Diskussion einklinken. Den ersten Buzzer in der Geschichte des Schlagaustausch im Ring hatte Felix Schneuwly inne, eine Rolle, die ihm sichtlich zusagt.
Michael Andor stellte gleich zu Beginn das Korsett zur Debatte, es sei eine Frage des Betrachters. Ein Korsett mache eine top Figur, aber nehme schlussendlich «den Schnuf» weg. In der Tat schränken Vorgaben seit Jahren ein, nehmen Zeit weg, die eigentlich für die Patienten bestimmt sein sollte. Und können dazu führen, dass Ärzte frühzeitig den Beruf wieder verlassen. Gemäss Michael Andor merkt der Patient, dass Hürden höher werden mit längeren Wartezeiten, Verzögerungen beim Versand von Berichten u.a.m. Und trotzdem bricht er die Lanze für unser hervorragendes Gesundheitswesen, das es zu erhalten gilt.
Regulierungen seien keine Erfindung des BAG, hält Kristian Schneider fest. Ein Korsett sei politisch gewollt, die Tarifpartner haben – er betont dies – selber gelöst. Die Tarifdiskussion heisst Diskussion um Geld. Die Qualität jedoch ist elementar, diese gilt es sicherzustellen. Kristian Schneider anerkennt, dass sich der Beruf des Arztes verändert hat. Regulierungen machen für ihn Sinn, wenn ein Zielbild definiert ist. Heute wird laufend reguliert, ohne die Gesamtschau im Blick zu haben. Ob es hier neue Ansätze geben wird, bleibt offen.
Felix Schneuwly kritisiert die FMH als «Club der Neinsager». Explizit bezieht er dies auf Transparenz in Sachen Qualität. Er erwartet von der FMH hier eine Offensive. Die Fachgesellschaften haben klare Vorgaben zur Qualität, die wenigsten sind jedoch messbar und veröffentlicht für Patientinnen und Patienten. Zudem kritisiert er der das BAG, wo auf Verordnungsstufe zuviel geregelt wird.
Fazit der Redaktion:
Die Fronten innerhalb der Ärzteschaft und zwischen Ärzteschaft und den Behörden sind da und werden sich nicht so rasch in Luft auflösen. Die Kostendiskussion muss einer Nutzerdiskussion weichen, Dialog anstatt Polemik, wie Rainer Felber, Co-Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Bern, richtig sagt.
Der Schlagaustausch im Ring ist eine Eventreihe von santemedia. Seit 2016 findet während der Sessionen der Eidgenössischen Räte ein verbaler Schlagaustausch zu gesundheitspolitischen Themen im Ring von BOXENBERN statt.
Die Einladungen für den Schlagaustausch im Ring werden jeweils zu gegebener Zeit verschickt. Teilnahme ausschliesslich auf persönliche Einladung und bestätige Anmeldung.
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