Bei einer Thrombose wird ein Blutgefäss, meist in den Bein- oder Beckenvenen, verstopft. Nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Personen können betroffen sein. Lili Angelina Hugi erkrankte bereits Anfang 20 an einer Thrombose. Auslöser war das sogenannte May-Turner-Syndrom. Was dahintersteckt und welche Anzeichen ernst genommen werden sollten, erklären Dr. med. Alexander Rosenov, Facharzt FMH für Angiologie am Gefässzentrum Hirslanden Bern, sowie PD Dr. med. Nicolas Bonadies, Facharzt FMH für Hämatologie und Allgemeine Innere Medizin, ebenfalls bei Hirslanden Bern.
Lili Angelina Hugi dachte zunächst nicht an eine Thrombose, da sie häufig unter starken Rückenschmerzen litt. Erst als ihr Bein anschwoll und sich blau verfärbte, läuteten die Alarmglocken. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits drei Wochen vergangen. Untersuchungen zeigten schliesslich eine schwere Thrombose. Da konservative Behandlungsmethoden keine Linderung brachten, wurde sie an das Gefässzentrum Hirslanden in Bern überwiesen.
Gefährlich wird eine Thrombose insbesondere dann, wenn sich das Blutgerinnsel löst und in den Lungenkreislauf gelangt
Dr. med. Alexander Rosenov, Facharzt FMH für Angiologie am Gefässzentrum Hirslanden Bern
Ursache: May-Turner-Syndrom
Weitere Abklärungen bei Alexander Rosenov ergaben, dass Lili Angelina Hugi am sogenannten May-Turner-Syndrom litt. Dabei wird eine Beckenvene zwischen der Wirbelsäule und einer Arterie eingeengt. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann dies zur Entstehung einer Thrombose führen. Je nach Lokalisation können die Symptome unterschiedlich stark sein. Gefährlich wird eine Thrombose vor allem dann, wenn sich das Blutgerinnsel löst und in die Lunge gelangt. Dies kann zu einer Lungenembolie führen.
Im Fall von Lili Angelina Hugi war rasches Handeln entscheidend. Alexander Rosenov führte einen zweiteiligen, minimal-invasiven Eingriff durch: Zunächst wurde das Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst, anschliessend die Engstelle in der Vene mit einem Stent behandelt. Dieser dient als Gefässstütze und wurde minimal-invasiv in das betroffene Blutgefäss eingesetzt.
Vom Schock zur Genesung
Erst nach dem Eingriff wurde Lili Angelina Hugi bewusst, wie kritisch die Situation gewesen war. Auch für ihre Angehörigen war die Zeit sehr belastend. Umso grösser war die Erleichterung, als sich ihr Zustand stabilisierte. Heute geht es ihr wieder gut. Dennoch möchte sie insbesondere junge Menschen und Frauen dafür sensibilisieren, Symptome ernst zu nehmen und sich möglicher Risiken bewusst zu sein.
Alexander Rosenov betont, dass nur wenige Patientinnen und Patienten einen solchen Eingriff benötigen. Wichtig seien jedoch regelmässige Nachkontrollen, bei denen der Stent mittels Ultraschall überprüft wird. Nicolas Bonadies ergänzt, dass bei Bedarf Spezialistinnen und Spezialisten für Blutgerinnung hinzugezogen werden, um zusätzliche Risikofaktoren abzuklären. Diese können genetisch oder durch bestimmte Verhaltensweisen wie Rauchen, Übergewicht usw. entstehen.
Symptome erkennen und Risiko minimieren
Typische Anzeichen einer Thrombose sind Schwellungen, Schmerzen oder eine bläuliche Verfärbung, meist in einem Bein. Diese Symptome sollten immer ärztlich abgeklärt werden, betont Alexander Rosenov. Das Risiko einer Thrombose lässt sich reduzieren, indem mögliche Ursachen abgeklärt werden. Nicolas Bonadies erklärt, dass genetische Faktoren nicht beeinflusst werden können. Erworbene Risikofaktoren hingegen lassen sich in vielen Fällen gezielt minimieren.




