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Ständerat Stöckli und Ständerat Dittli im Ring: Kampf um freie Arztwahl

Experten: Josef Dittli, Hans Stöckli

Geht es nach dem Willen von Gesundheitsminister Alain Berset, sollen alle Patientinnen und Patienten zuerst eine ärztliche Erstberatungsstelle konsultieren, bevor sie einen Spezialisten aufsuchen. Der Vorschlag sorgt für rote Köpfe. Die Gegner fürchten, die freie Arztwahl, eine „heilige Kuh“ in der Schweiz, könne bald der Vergangenheit angehören. Zwei politische Schwergewichte, SP-Ständerat und Ratspräsident Hans Stöckli, und FDP-Ständerat Josef Dittli, liefern sich einen hochkarätigen, verbalen Schlagaustausch im Ring von BOXENBERN.

Bundesrat Berset wolle die freie Arztwahl abschaffen und die Medizin Richtung Staatsmedizin treiben. Die Reaktionen auf den Vorschlag, für alle eine ärztliche Erstberatungsstelle einzuführen, waren geharnischt. „Ich finde das sehr schade. Dass die freie Arztwahl aufgehoben werden soll, sind Fake News“, sagt Ständerat Hans Stöckli unumwunden. Es gehe darum, ein erfolgreiches Modell, das heute 70 Prozent aller Versicherten freiwillig nutzen, auszubauen. Jede und jede könne die Erstberatungsstelle selbst wählen. Dies kann ein Hausarzt sein, eine telemedizinische Beratung oder eine Gruppenpraxis. Es sei keine Rede von staatlichen Ärzten oder der Aufhebung der freien Arztwahl. Einen Generalisten zu besuchen, bevor man einen Spezialisten aufsucht, sei doch selbstverständlich, wirft Stöckli in den Ring.

Josef Dittli, Ständerat FDP Uri, und Präsident von curafutura, einem der beiden grossen Krankenkassenverbände, widerspricht vehement. Gemäss Dittli ist es in keiner Weise notwendig, dass der Staat eingreift und in diesem Bereich reguliert. Vor acht Jahren wurde die Managed Care-Vorlage vom Volk abgeschmettert. Jetzt komme der Bundesrat mit dem gleichen Anliegen erneut. Dittli sieht mit dem Vorschlag eine Entmündigung des Bürgers. Die meisten Menschen wüssten, an wen sie sich wenden sollten, wenn sie ein Gebrechen haben, sagt Dittli. Und er stimmt in einer Sache seinem Ratskollegen zu: Zwei Drittel der Versicherten sind freiwillig in einem einschränkenden Modell, ein grosser Erfolg. Dittli befürchtet auch eine Zweiklassenmedizin. Versicherte, welche sich nach wie vor den Gang zum Spezialisten ohne Einschränkung leisten möchten, könnten dies über Angebote der Privatversicherung weiterhin tun. Auf die Frage von Geri Staudenmann, welche Chancen der Zwang zur Erstberatungsstelle denn habe, sind sich beide Politiker aus verschiedener Motivation einig. Josef Dittli ist überzeugt, die Idee ist chancenlos. Auch Befürworter Hans Stöckli macht sich keine Illusionen. Die Vernehmlassung werde es zeigen, meint er. Der Vorschlag sei vorweg abgekanzelt worden, bevor man sich eingehend damit befasst habe.

Die Krankenversicherer mit ihren heutigen, erfolgreichen Prämienspar-Angeboten wie Hausarztmodellen waren Ideengeber für den Vorschlag der Erstberatungsstelle!

Hans Stöckli, Ständerat SP Bern, Ratspräsident

Kostendämpfungsmassnahmen des Bundesrates

Die Gesundheitskosten steigen jährlich. Der Bundesrat ist gefordert, Vorschläge zu erarbeiten, um den Anstieg der Kosten zu dämpfen. 2017 hat eine Expertengruppe 36 Massnahmen vorgeschlagen. Bundesrat Berset nahm sich des Berichts an und hat Mitte August das zweite Paket mit möglichen Massnahmen (Kostendämpfungspaket 2) in die Vernehmlassung geschickt. Zu reden geben vor allem der Zwang zur Erstberatungsstelle sowie ein verbindliches Kostenziel bei den Gesundheitsausgaben.

Partner des Schlagaustausch im Ring: KPT, Pfizer, santémedia AG

 

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Experten:
Josef Dittli, Ständerat FDP UR und Mitglied Gesundheitskommission
Hans Stöckli, Ständerat SP/BE und Mitglied Gesundheitskommission
Moderation:
Geri Staudenmann, Moderator medizinischer und gesundheitspolitischer TV-Sendungen seit 2001, Gründer und Partner der santémedia AG
Herausgeber:
santémedia AG, Bern, produziert seit 2001 medizinische und gesundheitspolitische TV-Sendungen und ist in der Schweiz Marktführerin auf diesem Gebiet.
Beitrag erstellt:
18.09.2020
Letzte Überprüfung:
18.09.2020

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