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Teure Therapien – Ruin des Systems? Schlagkräftige Sparringrunden mit einer exklusiven Gästeschar im Ring von BOXENBERN

Teure Medikamente und Therapien sorgen für Unverständnis und Unmut. Sind solch hocheffizienten Therapien ihr Geld wert? Wie soll unser Gesundheitssystem damit umgehen? In welchem Dilemma stehen Politik, Ärzteschaft und Krankenversicherer? Muss gespart werden, damit Patientinnen und Patienten heilende, aber teure Therapien erhalten? Am Schlagaustausch im Ring von BOXENBERN gingen Martina Weiss, Leiterin Vergütung & Verträge Arzneimittel und Medizinprodukte, Helsana, und Prof. Dr. med. Markus Borner, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie im Beisein einer exklusiven Gästeschar über spannende und unterhaltende Sparringrunden.

Das Publikum auf der Strasse ist sich einig, das zeigte die Strassenumfrage, die zu Beginn des Schlagaustausch im Ring eingespielt wurde. Wenn es das eigene Leben oder das eigene Kind betrifft, ist keine Behandlung zu teuer und sollte von der Krankenversicherung übernommen werden. Das verbale Sparring im Ring von BOXENBERN macht deutlich: Die Preise für neue Therapien sind hoch. Das zurzeit teuerste Medikament in der Schweiz kostet 370’000 Franken. Therapien, welche über zwei Millionen Franken kosten, sind in der Pipeline. Eine Therapie einem Patienten zu verweigern, nur weil das Medikament teuer ist, ist für die reiche Schweiz aber keine Lösung. Auch für die Pharmaindustrie ist klar, dass Preise für solch teure Therapien mit den Partnern ausgehandelt werden müssen.

Die Preise für Medikamente, welche aus der Grundversicherung bezahlt werden, werden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt. BAG-Direktor Pascal Strupler zeigt sich offen für Modelle, die vom heutigen System abweichen. „Pay for Performance“ könnte ein gangbares Modell sein. Das bedeutet, am Anfang wird für eine bestimmte Therapie wenig bezahlt wird. Wenn sie erfolgreich ist, wird der Preis höher. Ein solches Modell könnte auch Krankenversicherungs-Spezialistin Martina Weiss befürworten. Sie wünscht sich mehr Austausch und Zusammenarbeit mit anderen Versicherern. Markus Borner, Onkologe, mit Martina Weiss Sparringpartner im Ring, zeigt sich differenziert. Man müsse stets beurteilen, was die Preise einer Therapie und die ganze Industrie dahinter für eine Gesellschaft bedeuten, meint er.

Die Innovation in der Pharmaindustrie legt ein rasantes Tempo vor. Die administrativen Prozesse rund um Zulassung und Aufnahme auf die Spezialitätenliste hinken hinterher. Ebenso ist die Frage offen, welchen Betrag unsere Gesellschaft bereit ist, für Heilung zu bezahlen – und für welchen Patienten. Ob und in welchem Rahmen hochinnovative Therapien auch auf lange Sicht wirkungsvoll sind, ist aufgrund fehlender Daten offen. Ein weiteres Fazit förderte die Diskussion zu Tage: Die Politik kann es nicht richten, die Akteure untereinander müssen sich zusammenraufen, damit Patienten von neuen, zahlbaren Therapien profitieren können.

 

Letztlich geht es darum, zu beantworten, welchen Preis ein Menschenleben hat. Dazu gibt es keine offizielle Einschätzung.

Prof. Dr. med. Markus Borner, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie

September 2019

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