Im Video Statements von Nationalrätin Bettina Balmer, Nationalrat Felix Wettstein, Esther Hilfiker, Co-Präsidentin Bernische Ärztegesellschaft, Felix Schneuwly, Präsident Bündnis Freiheitliches Gesundheitswesen. Die Schlagworte: Schweiz bestes Gesundheitssystem – Eigenverantwortung – Elektronisches Gesundheitsdossier – Welche Reform per sofort einführen.
Felix Wettstein stellte die verbreitete Forderung nach mehr Eigenverantwortung grundsätzlich infrage. Diese sei oft „Geschwätz“, da sie voraussetze, dass Menschen überhaupt über die nötigen Ressourcen verfügen, um Verantwortung wahrnehmen zu können. Eigenverantwortung funktioniere vor allem dort, wo finanzielle und soziale Sicherheit gegeben sei. Entsprechend rückte er die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stärker ins Zentrum. Auch im Bereich der Arbeitsmoral widersprach er individualisierenden Erklärungen: Motivation und Leistungsbereitschaft seien weniger eine Frage der persönlichen Haltung als vielmehr der Führungskultur und einer als gerecht empfundenen Entlöhnung. Grundsätzlich kritisierte Wettstein, dass die Schweiz zu stark „Krankheitspolitik“ betreibe, also vor allem auf Behandlung statt auf Prävention und Gesundheitsförderung fokussiere. Er plädierte für eine strukturelle Neuausrichtung, auch in der Finanzierung – vergleichbar mit dem Bildungssystem, das stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und getragen werde.
Demgegenüber betonte Bettina Balmer die hohe Qualität des bestehenden Systems, die zwangsläufig mit entsprechenden Kosten verbunden sei. Für sie steht weniger ein Systemwechsel als vielmehr eine gezielte Weiterentwicklung im Vordergrund. Ein zentrales Element ist dabei die Stärkung der Eigenverantwortung. Konkret brachte sie eine Notfallpauschale („Notfall-Fünfliber“) ins Spiel, um Fehlanreize zu reduzieren und unnötige Notfallkonsultationen zu vermeiden. Im Gegensatz zu Wettstein sieht sie in solchen Instrumenten eine legitime und notwendige Lenkungswirkung. Zudem sprach Balmer strukturelle Herausforderungen im Gesundheitswesen an, etwa die zunehmende Bürokratie, die aus ihrer Sicht reduziert werden müsse, um Effizienz und Attraktivität der Berufe zu erhalten. Einen weiteren Punkt setzte sie mit dem Hinweis auf die „Feminisierung“ der Medizin, die neue Anforderungen an Arbeitsmodelle und die Organisation der Versorgung mit sich bringe, während Männer «einen grossen Bogen» machen, wenn es um den Eintritt in einem Beruf in der Medizin gehe.
In der Gegenüberstellung wird deutlich: Während Wettstein die Ursachen von Problemen primär in sozialen Ungleichheiten und systemischen Rahmenbedingungen verortet und entsprechend eine stärkere kollektive Verantwortung fordert, setzt Balmer stärker auf individuelle Verantwortung, gezielte Anreize und Effizienzsteigerungen innerhalb des bestehenden Systems. Beide erkennen Reformbedarf, gewichten jedoch die Hebel und Prioritäten grundlegend unterschiedlich.
Der Schlagaustausch im Ring ist eine Eventreihe von santemedia. Seit 2016 findet während der Sessionen der Eidgenössischen Räte ein verbaler Schlagaustausch zu gesundheitspolitischen Themen im Ring von BOXENBERN statt.
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