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Schlagaustausch im Ring: Alle sehen die Wunde – jedem sein eigenes Pflaster

santemedia lud zum 37. verbalen Schlagaustausch im Ring von BOXENBERN ein. Sichtbare, offene Wunden gabs zwar nicht, Pflaster waren nur verbal nötig. Felix Schneuwly, Kämpfer für mehr Marktmacht, forderte Chefarzt und Buchautor Prof. Dr. med. Andreas Kistler heraus. Sein neustes Buch «Kostenexplosion im Gesundheitswesen» machte in den vergangenen Wochen und Monaten Schlagzeilen in den Medien. Andreas Kistler kommt nach einer fundierten Analyse zum Schluss, eine staatliche gestützte Gesundheitsorganisation würde unser System vereinfachen. Ringrichter David Staudenmann, CEO santemedia, musste den Kampfgeist der beiden ab und zu in geordnete Bahnen lenken. Eine ausgesuchte Gästeschar freute sich über verbale Schläge und Infights.

Felix Schneuwly konterte zu Beginn: Es gibt keine Kostenexplosion. Eine Explosion ist per se ein einmaliges Ereignis. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen stetig und linear. Die Anteile der Kosten, die den Prämien belastet wird, steigt. Denn immer mehr Leistungen werden zu Lasten der Grundversicherung erbracht.

Schlagaustausch im Ring

Was ist Staatsaufgabe?
Hier scheiden sich die Geister resp. diejenigen der beiden Kontrahenten. Für Andreas Kistler sind Bildung, Sicherheit und Gesundheit Staatsaufgabe. Er verteidigt die Haltung, der Staat trete als Regulierer auf, was zu mehr Bürokratie führe. Er führt aus, wichtig sei die Erkenntnis, dass das Gesundheitswesen Aufgabe des Staates sei, Beispiel analog Bildung. Felix Schneuwly widerspricht: Die Bundesverfassung garantiere finanzielle Unterstützung bei Krankheit. Das bedeute nicht, dass der Staat für unsere Gesundheit verantwortlich sei. Für die eigene  Gesundheit sei primär jede/r selber verantwortlich. Der Staat solle Probleme lösen, die wir nicht selber lösen können, und dafür schlanke und klare Regeln definieren.

Qualität – Innovation – Bürokratie?
Wettbewerb fördert Innovation und Qualitätsbewusstsein nach dem Motto «Konkurrenz belebt das Geschäft». Sei es bei Spitälern oder bei den Krankenversichern. Jeder Player versucht, besser zu sein als der andere. Ein Regionalspital nutzt einen Roboter im OP, um sich von anderen Spitälern der Region abzuheben. Würden Patienten von dieser Innovation profitieren, wenn es keinen Wettbewerb gäbe? Für Andreas Kistler ist Innovation Aufgabe der Forschung, der Universitäten. Schneuwly kontert: Für ihn sind Innovationen nicht nur Ergebnisse aus den Forschungslabor der Unis. Im Gegenteil: Sie müssen in die Praxis umgesetzt werden. Ein Roboter wird nicht im Labor perfektioniert, sondern in der praktischen Anwendung im Spitalalltag. Andreas Kistler plädiert für eine Spitalplanung, die gesamtschweizerisch unter einem Dach koordiniert wird. Damit könnten viele Leerläufe und Doppelspurigkeiten umgangen werden. Der Staat soll koordinieren, wo welche Behandlungen durchgeführt werden.

Das immerwährende Thema ist Bürokratie. Andreas Kistler sieht es aus seiner ärztlichen Perspektive: Ärzte haben zu wenig Zeit für die Patienten wegen überbordender Administration. Das ist eine Binsenwahrheit, die auch Felix Schneuwly unterschreibt. Die Lösungsansätze sind hingegen unterschiedlich: Kistler verspricht sich von einer staatlichen Gesundheitsorganisation mehr Effizienz und Koordination. Schneuwly will die heutige Regulierungswut beenden und damit Effizienz fördern.

Einheitskasse?
Die Daten sind vorhanden, mit oder ohne Einheitskasse. Sie müssen gem. Felix Schneuwly nur besser und umfangreicher genutzt werden. Im Übrigen bricht Schneuwly eine Lanze für die Schweizer Bevölkerung: wir sind es uns gewohnt, zu wählen, ob Krankenversicherung oder Restaurant. Der Schweizer ist grundsätzlich kein sehr staatsgläubiger Mensch, der Föderalismus setzt vielem zusätzlich Grenzen. Kistler verspricht sich mit einer Einheitskasse auch hier Effizienzgewinne in den Abläufen und somit weniger Kosten.

Fazit der Redaktion: Es bleibt offen, ob und wie mehr Staat unser Gesundheitssystem verbessern könnte. Die wettbewerbliche Dynamik sollte mit der Eindämmung von Regulierungen erhöht werden, was Innovation und Effizienz fördert. Unser System braucht klare Verantwortlichkeiten und Rollenverteilungen im Rahmen unserer bestehenden Strukturen.

Link auf Bildergalerie

Der Schlagaustausch im Ring ist eine Eventreihe von santemedia. Seit 2016 findet während der Sessionen der Eidgenössischen Räte ein verbaler Schlagaustausch zu gesundheitspolitischen Themen im Ring von BOXENBERN statt.

Die Einladungen für den Schlagaustausch im Ring werden jeweils zu gegebener Zeit verschickt. Teilnahme ausschliesslich auf persönliche Einladung und bestätige Anmeldung.

WIR DANKEN UNSEREN PARTNERN ENOVIS UND PFIZER FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG!

 

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