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Corona-Politik – kritisch hinterfragt!

Zwei Persönlichkeiten aus dem Schweizer Gesundheitswesen werfen einen kritischen, auch selbstkritischen Blick auf ihre Arbeit, ihre Zusammenarbeit und die Schweiz in Corona-Zeiten. Bei Geri Staudenmann zu Gast sind der noch amtierende Ärzte-Präsident Jürg Schlup und der ehemalige BAG-Direktor Pascal Strupler.

Seit acht Jahren ist Jürg Schlup im Amt als oberster Arzt der Schweiz. Er präsidiert noch bis Ende Januar 2021 die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH. An die Adresse des BAG wünscht er sich etwas mehr Orientierung Richtung Medizin und weniger Politik. Pascal Strupler, der das BAG während zehn Jahren bis Ende September dieses Jahres führte, nimmt den Hinweis von Schlup gelassen entgegen. Das Gesundheitssystem werde von der Politik geprägt, da lasse sich nicht viel dagegen machen, meint er dazu. Strupler bezeichnet Jürg Schlup als „geduldigen Menschen“, der seine „Attacken“ trotz der unterschiedlichen Rollen mit grossem Humor entgegengenommen habe.

 

Ich erwarte von der Politik jetzt ein umsichtiges, entschlossenes, zielführendes und koordiniertes Handeln!

Dr. med. Jürg Schlup, Präsident FMH Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte zur aktuellen Corona-Situation

Gesundheitswesen auf dem Prüfstand – Föderalismus krisenuntauglich

Weltweit ist das Schweizer Gesundheitswesen stets in den top drei. Die Belastbarkeit unseres Gesundheitswesens zeige sich jetzt in der Pandemie, sagt Jürg Schlup. Trotz der sehr hohen Fallzahlen ist die Schweiz noch knapp in der Lage, den Anforderungen gerecht zu werden. Doch unser Gesundheitssystem wird zurzeit auf eine sehr harte Probe gestellt. Der Vergleich mit anderen Ländern bei den aktuellen Fallzahlen sei schmerzlich, sagt der ehemalige BAG-Direktor unumwunden. „Die erste Welle haben wir gut gemeistert“, so Strupler. Bei der zweiten Welle habe die Schweiz zu viel Zeit verloren. Bereits im August hätte man das Tempo anziehen sollen, ergänzt er. Auch klar ist das Verdikt von Jürg Schlup: Die Spitäler seien heute überlastet, weil die Politik zu zögerlich gehandelt habe.

Der Föderalismus gehört zu unserem System, er ist ein Grundpfeiler unseres Staates. Am Anfang von Corona hat der Bund das Zepter in die Hand genommen. Danach haben die Kantone die Hoheit zurück erhalten. Ein Flickenteppich von Massnahmen ist entstanden, was für die Bevölkerung schwer zu verstehen ist. „Der Föderalismus ist nicht krisentauglich“, so das Fazit von Strupler.

Dezember 2020

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