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Bandscheibenvorfall – Konservative Therapie

Bandscheibenvorfälle gilt es in den ersten acht bis zwölf Wochen konservativ mit Schmerzmitteln oder manueller Therapie zu behandeln. In der Regel bilden sich Diskushernien innerhalb von sechs Wochen selbstständig zurück. Eine Operation steht ganz am Ende der Behandlungskette und wird angewandt, wenn alle anderen Massnahmen keine Besserung bringen.

In der Sendung praxis gsundheit „Bandscheibenvorfall – Konservative Therapie“ spricht David Staudenmann mit Dr. med. Ralph Läubli, Spezialist für Wirbelsäulenchirurgie, Zentrum für Orthopädie Berner Oberland und einem Patienten über die konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall.

Ich fühle mich gut und habe nur noch ein kleines Kraftdefizit

Daniel Troxler, Patient

Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelgelenken in der Wirbelsäule. Sie bestehen aus Bindegewebe, die einen weichen, gallertartigen Kern enthalten. Sie sorgen dafür, dass die Beweglichkeit der Wirbelsäule gewährleistet ist und agieren zudem als Stossdämpfer.

Beim Bandscheibenvorfall durchbricht der weiche Kern das umliegende Bindegewebe. Die austretende Gallertmasse übt dadurch einen Druck auf die dort verlaufenden Nerven oder das Rückenmark aus, was zu starken Schmerzen führen kann.

Bandscheibenvorfälle sind, besonders mit zunehmendem Alter, keine Seltenheit. Besonders häufig betroffen ist die Lendenwirbelsäule.

Ein Auslöser für Bandscheibenvorfälle ist beispielsweise langes Sitzen. Aber auch Fehlbelastung der Wirbelsäule, Übergewicht, Unfälle oder eine angeborene Bindegewebsschwäche sind Risikofaktoren. Dadurch entstehende Risse in der Bandscheibe lassen Bandscheibenmaterial hinausquillen. Nicht selten verspürt man zeitnahe Rückschmerzen, wenn die Bandscheibe sich verlagert. Durch den Druck auf die Nerven äussert sich oft ein starker Entzündungsschmerz, der in die Beine ausstrahlt.

Die erste Anlaufstelle bei einer Diskushernie ist der Hausarzt. Erst bei starken Symptomen oder Lähmungserscheinungen kommen Wirbelsäulenspezialisten zum Zug.

Vor einer Operation gilt es stets die konservativen Behandlungsmöglichkeiten vollends auszuschöpfen. In erster Linie sind das nebst entzündungshemmenden, schmerzlösenden Medikamenten manuelle Therapie wie Chiropraktik oder Physiotherapie.

Bildgebende Diagnostik ist nicht notwendig, sofern die Schmerzen mit Medikamenten in Schach gehalten werden können. Bei starken, ausstrahlenden Schmerzen, die auch nach einiger Zeit nicht abklingen, lohnt es sich, diagnostisch vorzugehen und die Situation mit einem MRI-Bild genauer zu analysieren.

Diskushernien bilden sich in der Regel in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen von alleine zurück. Helfen gewöhnliche Schmerzmittel nicht, kann allenfalls Cortison, ein stark entzündungshemmender Stoff, weiterhelfen. Ist die Lebensqualität dennoch immer eingeschränkt, kommt allenfalls interventionelle Schmerztherapie in Frage. Dabei kann mit Röntgenstrahlen anhand des MRI-Bilds gezielt der betroffene Nerv mit Cortison umspült werden, damit die Schwellung des Nervs wieder abklingen kann. Das verschafft dem Körper genügend Zeit und Raum, dass die Diskushernie abheilen kann.

In den ersten Tagen dürfen sich Patienten ruhigstellen. Danach ist es für die Genesung aber essentiell, möglichst aktiv zu sein und Muskeln wiederaufzubauen.

Grundsätzlich soll in den ersten acht bis zwölf Wochen konservativ behandelt werden. Eine Operation ist nur selten nötig. Studien zeigen eindeutig, dass Patienten langfristig besser bedient sind, wenn sich der Rücken ohne Chirurgie wieder erholt. Zeigt sich auch nach drei Monaten keine Besserung, wird eine Operation jedoch in Erwägung gezogen.

Juni 2018

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