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TAVI – Herzklappenfehler modern behandeln

TAVI ist der Name einer modernen Methode, die bei der Behandlung eines Herzklappenfehlers eingesetzt wird. Bei einer verengten Aortenklappe wird mit TAVI (Transkatheter-Aortenklappen-Implantation) eine künstliche Klappe minimalinvasiv eingesetzt. Diese schonende Methode wird nicht mehr nur bei Patienten, bei denen eine Operation am offenen Herzen als zu risikoreich gilt, angewandt. Heute profitieren auch Patienten mit mittleren OP-Risiko von der TAVI Methode

TAVI ist ein minimalinvasiver und schonender Eingriff, bei dem das Herz stets schlägt. Diese Methode ist sehr schonend, der Brustkorb wird dabei nicht geöffnet. Weniger Schmerzen und eine viel kürzere Rekonvaleszenz helfen dem Patienten bei der Genesung. Dies im Gegensatz zu einer Operation am offenen Herzen. Hier muss der Brustkorb geöffnet, das Herz stillgelegt und durch eine Herz-Lungen-Maschine ersetzt werden. Die TAVI Methode wurde entwickelt, damit beispielweise auch betagte und chronisch kranke Menschen, welche an einem Herzklappenfehler leiden, behandelt werden können.

Die Fragen von santemedia.ch hat Herr Dr. med. Andreas Henning im Oktober 2018 schriftlich beantwortet.

Patienten sind sehr früh wieder mobil und können meist auch früher aus der Klinik entlassen werden

Dr. med. Andreas Henning Facharzt Kardiologie an der Hirslanden Klinik Beau-Site

Welche Herzklappenfehler gibt es?
Es gibt vier Herzklappen im Herzen. Diese funktionieren im Prinzip wie ein Ventil. Eine Fehlfunktion kann durch eine Verengung (Stenose), eine Undichtigkeit (Insuffizienz) oder eine Kombination aus beidem verursacht werden. Diese Fehler sind entweder angeboren oder werden im Laufe des Lebens erworben.

Welches ist der häufigste Herzklappenfehler in der Schweiz?
Die Aortenklappenstenose (die Verengung der Aortenklappe) ist der häufigste Herzklappenfehler des erwachsenen Menschen in der Schweiz sowie auch in der restlichen westlichen Welt. Diese Herzklappe befindet sich zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader.

Wie kann die Aortenklappenstenose behandelt werden?
Wenn die Öffnungsfläche der Aortenklappe kritisch klein wird, kann prinzipiell eine herkömmliche Operation mit Öffnen des Brustkorbes durchgeführt werden. Seit einigen Jahren besteht aber auch die Möglichkeit, die Aortenklappe minimalinvasiv, also ohne Öffnen des Brustkorbes zu ersetzen. Dabei ist im Bereich der Leiste ein 3-5cm grosser Einschnitt ausreichend. Diese Methode nennt man TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation).

Wie funktioniert die TAVI-Methode?
Meist wird ein Katheter über die Leistenarterie (in über 90 Prozent der Fälle) in Voll- oder Lokalanästhesie in die verengte Aortenklappe geführt. Auf dem Katheter befindet sich die neue Herzklappe, welche die alte an den Rand drängt und sofort deren Funktion übernimmt.

Welches sind die Vorteile der minimalinvasiven TAVI-Methode?
Es wird keine Operation am offenen Herzen durchgeführt, der Brustkorb muss nicht geöffnet werden. Die Patienten sind sehr früh wieder mobil und können meist auch früher aus der Klinik entlassen werden. Patienten, welche wegen anderen Erkrankungen ein zu hohes Risiko für eine offene Operation aufweisen, können mit dieser Methode hervorragend behandelt werden.

Welche Patienten können mit dieser Methode behandelt werden?
Für betagte, chronisch kranke Patienten und geschwächte Patienten mit Mehrfacherkrankungen ist ein offener Eingriff meist mit einem zu hohen Risiko verbunden. Um auch diese Hochrisiko-Patienten behandeln zu können, wurde als Alternative zur offenen Operation die katheterbasierte Methode entwickelt (TAVI). Dieser katheterbasierte Aortenklappenersatz wird nun jedoch – wegen der guten Resultate und Langzeiterfahrungen – zusehends auch bei Patienten mit tieferem Risiko durchgeführt.

Birgt diese Therapiemethode auch Risiken?
Insgesamt kann man sagen, dass der TAVI-Eingriff, wenn er gut geplant ist, heute sehr sicher durchgeführt werden kann. Bei der richtigen Patientenauswahl ist der Eingriff mit einem deutlich geringeren Therapierisiko verbunden im Vergleich zur Operation. Die heute vorhandene Erfahrung mit der Methode sowie eine akribische Planung und Nachsorge können Verletzungen der Zugangswege oder der Herzgefässe vermeiden. Wie auch bei der herkömmlichen Operation der Aortenklappe besteht bei der TAVI-Methode ebenfalls das Risiko eines Schlaganfalls oder einer Schrittmacherpflicht durch den Eingriff. Während das Risiko für einen Schlaganfall bei der TAVI vergleichbar ist mit einer OP, ist das Risiko, danach einen Herzschrittmacher zu benötigen, geringfügig höher. Neuere TAVI-Klappen scheinen jedoch in beiden Kategorien sogar besser als die konventionelle, chirurgische Methode zu sein.

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