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Faszination Triathlon – Einblicke in die Welt eines Profisportlers

Triathlon zählt zum Ausdauersport und beinhaltet die Disziplinen Schwimmen, Velofahren und Laufen. Patrick Jaberg, 37, Halbprofisportler, Coach für Ausdauersportler (tripl3.ch) und Mitarbeiter bei BigFriends (bigfriends.ch) erzählt im Interview über seine Begeisterung für den anspruchsvollen Kombinationssport.

Patrick Jaberg startete seine Karriere vor über 20 Jahren mit der Lizenz über die Triathlon Kurzdistanz (1.5 km schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen). Mit 24 Jahren kam dann der Wechsel auf die Langdistanz (3.86 km Schwimmen, 180.25 km Radfahren und 42.20 km Laufen). Als Amateur startete Patrick Jaberg bereits zwei Mal in Hawaii, dem prestigeträchtigsten Ironman der Welt. 2009 erlangte Patrick Jaberg die Profilizenz auf der Langdistanz.

Der Kopf ist entscheidend, nicht das Talent.

Patrick Jaberg

Wie sind Sie zum Triathlon gekommen?
Ich habe in der Schule lange Leichtathletik betrieben. Mit 15 Jahren überredete mich ein Freund für die Teilnahme an einem Triathlon in Spiez. Ich hatte da noch keine Ahnung, was Triathlon überhaupt ist. Also stürzte ich mich völlig naiv in dieses Rennen. Im Wasser zeigte ich laienhaften «Brustschwumm», für die 20 km Velostrecke borgte ich mir das Rennvelo von meinem Vater. Rückblickend war alles sehr amateurhaft (lacht). Durch das Ziel kam ich als einer der letzten, natürlich weit abgeschlagen von meinem Freund. Aber ich hatte unheimlichen Spass gehabt. Ich denke, dies war mein Schlüsselerlebnis. Drei Sportarten in Kombination fand ich wahnsinnig faszinierend. Und das finde ich noch heute.

Ist nach dem Rennen vor dem Rennen?
Ja, das ist immer so, ausser man tritt zurück oder es ist Off-Season. Diese kommt im Herbst nach dem letzten Rennen und dauert zwischen vier bis sechs Wochen. In dieser Zeit gibt es keine Trainingspläne. Da treibe ich jeweils wenig / anderen Sport, relaxe und entspanne mich. Nach einem Ironman fährt man bis zu drei Wochen runter. Ein regeneratives Training (wie lockeres Velofahren, lockeres Schwimmen) unterstützt die Regeneration. Realistisch sind zwischen zwei bis drei Ironman pro Jahr.

Wie motivieren Sie sich immer wieder von Neuem?
Es ist für mich wie ein Job. Grundsätzlich liebe ich, was ich mache – alles freiwillig. Aber auch im Beruf ist man nie gleich motiviert. Im Winter um sieben Uhr im Schwimmbad seine Runden zu ziehen kann schon hart und der Gedanke daran die Hölle sein. Aber es hat Suchtpotential. Die ganzen Trainings sind Bestandteil meines Tages. Ich überlege nicht mehr: «Mache ich es oder nicht?» – ich mache einfach.

Sind ein Triathlon und die vielen harten Trainings nicht ungesund?
Nein, es ist sogar viel gesünder als das Training eines «normalen» Läufers. Der Ausgleich zwischen den drei Sportarten belastet den Körper unregelmässig. Die runden Bewegungen des Velofahrens und des Schwimmens sind viel gelenkschonender als das blosse Laufen – dieses belastet den Bewegungsapparat am stärksten.

Einen Ironman zu absolvieren ist für die meisten Menschen unvorstellbar. Wie machen Sie das?
Das macht man nicht von heute auf morgen, das ist ein Prozess. Es kommt darauf an, was der jeweilige Athlet für Voraussetzungen mit sich bringt. Grundsätzlich ist es für jeden machbar. Einzig der Weg ist unterschiedlich, ist mit mehr oder weniger Aufwand verbunden. Der Kopf ist entscheidend, nicht das Talent. Je weniger Talent, desto mehr ist es eine Kopfsache. Man muss kämpfen und lernen zu leiden. Man lernt, sich mit neuen Grenzen auseinander zu setzen, man wird stärker im Kopf. Man lernt mit Höhen und Tiefen umzugehen.

Liegt die Leidensgrenze bei einem Profi höher als bei «Normalos»?
In dem Moment – ja. Man lernt, positiver mit dem Schmerz umzugehen, ihn als motivierender Begleiter zu sehen. Die Gewohnheit spielt sicherlich auch eine Rolle. Und trotzdem nutzen wir unser Potential nicht vollständig aus. Mentale Stärke kann enorm viel zur Leistung beitragen – da sind die Grenzen noch lange nicht ausgeschöpft.

santemedia.ch führte für diesen Beitrag ein mündliches Interview mit Patrick Jaberg im November 2017.

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