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Corona: Hausärzte aussen vor!

ExpertInnen: Dr. med. Philippe Luchsinger

Hausärztinnen und Hausärzte spielen im Gesundheitswesen eine tragende Rolle. Trotzdem wurden sie zu lange nicht einbezogen, um die Corona-Krise zu bewältigen. Hausärzte-Präsident Philippe Luchsinger äussert sich auf dem Sofa Jaune im Gespräch mit Geri Staudenmann zur Sackgasse bei der Corona-Impfung, zum Versagen der Behörden im vergangenen Herbst, zum zweiten Lockdown, zur Rolle der Medien und zum täglichen Umgang mit der Pandemie in der Arztpraxis.

Die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte ist noch heute je nach Kanton unterschiedlich. In einigen Kantonen werden Hausärzte sehr gut eingebunden, in anderen sind sie aussen vor. Auf nationaler Ebene im Kontakt mit dem Bundesamt für Gesundheit funktioniere der Austausch erst seit kurzem etwas besser, sagt Philippe Luchsinger. Dies obwohl die Hausärzte sich bereits im ersten Lockdown an die Behörden gewandt haben mit ihren Möglichkeiten, in der Pandemie zu unterstützen. Luchsinger selbst führt eine Hausarztpraxis. Zum Alltag in der Praxis äussert er sich gelassen. Die Hausärztinnen und Hausärzte haben zwischenzeitlich Übung in der Betreuung von Corona-Patienten, bei der Abklärung und im Impfprozedere. Hier sei man in Wartestellung, bis man weiter impfen könne, meint Luchsinger.

Katastrophale Leistung der Behörden im Herbst

Den ersten Lockdown hat die Schweiz mit einer erkennbaren Linie gut gemeistert. Hingegen hält Luchsinger für das Vorgehen der Behörden im vergangenen Herbst nicht mit Kritik zurück. Dort habe man es verschlafen, Massnahmen umzusetzen. Das Vorgehen im zweiten Lockdown bezeichnet er als Katastrophe. Das Problem seien die unterschiedlichen Kompetenzen von Bund und Kantonen und als Konsequenz die mangelnde Führung. Als im Herbst die Fallzahlen stiegen, fühlte sich niemand verantwortlich, und die Verantwortlichen hätten nicht ganz verstanden, dass sie die Verantwortung hätten übernehmen müssen.

Die Schweiz ist ein Schönwetterland, dann funktioniert alles. Aber diese Krise meistern – das macht die Schweiz nicht so gut. Die Schweiz ist auch nach einem Jahr Corona nicht im Krisenmodus angekommen!

Dr. med. Philippe Luchsinger, Präsident mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz

Impf-Sackgasse

Die Schweiz hat bereits im Dezember erste Impfungen durchgeführt, früher als erwartet. Dass zuerst gefährdete Menschen versorgt werden, ist in den Augen von Luchsinger das richtige Vorgehen. Das Ziel müsste sein, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu impfen. Doch der nun fehlende Impfstoff führt die Schweiz in eine Sackgasse. Dosen für die unumgängliche zweite Impfung fehlen in einigen Kantonen, die Kadenz zwischen der ersten und der zweiten Impfung wird verlängert. Niemand weiss, wann weiterer Impfstoff angeliefert wird. Das verunsichert die Bevölkerung, was Luchsinger auch in seiner Praxis täglich spürt. Schuldzuweisungen für das Impfdebakel mag er keine machen.

Medien: nicht noch mehr Verunsicherung schüren

Der Hausärzte-Präsident wünscht sich von der Politik, dass die Hausärzte früher und besser eingebunden werden, denn sie sind an der Basis und wissen, wie sie unterstützen können. An die Adresse der Medien richtet er den Wunsch, zwar kritisch zu bleiben, aber nicht „jedes und alles“ aufzunehmen und damit die Bevölkerung noch mehr zu verunsichern. Den Menschen wünscht er, dass sie durchhalten.

 

Unsere Beiträge bieten Ihnen hochwertige und verlässliche Informationen. Dafür stehen namhafte Expertinnen und Experten, sowie die journalistische Sorgfalt eines erfahrenen TV-Teams.

ExpertInnen:
Dr. med. Philippe Luchsinger, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, Präsident mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz, Hausarzt in eigener Praxis
Moderation:
Geri Staudenmann, Inhaber santémedia AG, Moderator medizinischer und gesundheitspolitischer TV-Sendungen
Produktion:
Grazia Siliberti, Mitglied der Geschäftsleitung
Herausgeber:
santémedia AG, Bern, spezialisiert auf Kommunikation im Gesundheitswesen, realisiert seit 2001 eigene, redaktionelle medizinische und gesundheitspolitische TV-Sendungen und ist in der Schweiz Marktführerin in diesem Bereich.
Beitrag erstellt:
10.02.2021
Letzte Überprüfung:
10.02.2021

1 Kommentar

  1. Renate Shashoua

    Guten Tag

    ich gratuliere zum guten Interview.
    Gerne teile ich Ihnen mit, dass zum Beispiel im Kanton Zug die Hausärzte überhaupt nicht involviert worden sind. Meine Hausärztin von Paraxis Oberwil ärgert sich, dass sie ihre Risikopatienten nicht impfen kann und auch keine Gelegenheit hat diese im Impfzentrum zur bevorzugten Impfung anzumelden.
    Mir wurde auf Anfrage im Impfzentrum am Telefon mitgeteilt, dass der Computer die Auswahl trifft.
    Ich habe ein Attest vom Pneumologen mit der Bitte um umgehende Impfung da ich durch Alpha-1 Antitrypsin Mangel an COPD leide. Dieses Attest ist aber wertlos da es niemand sehen will. Ich finde es bitterschade, dass Hausärzte in Zug überhaupt nicht involviert sind.

    Mit freundlichen Grüssen auch an David
    Renate Shashoua

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